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Mahmut macht was Neues

Das «Limon» im Linsebühl war einer der ersten Kebabläden der Stadt und ist in 16 Jahren zur Institution geworden. Jetzt zieht sich Wirt Mahmut Özdemir zurück und überlässt das Restaurant seinem Sohn.

Von Roger Berhalter

Davon geredet hat er schon lange, jetzt ist es so weit: Mahmut Özdemir, Inhaber des Restaurants Limon, hört auf. Noch bis Ende Januar führt der Appenzeller das Lokal an der Linsebühlstrasse selber, danach übergibt er es seinem Sohn. Nicht, weil der Laden nicht mehr laufen würde, im Gegenteil: Seit über 15 Jahren zählt das «Limon» zu den beliebtesten Adressen in der Stadt. Aber Özdemir, der für alle einfach Mahmut heisst, möchte endlich das, was für viele selbstverständlich ist: Zeit für seine Familie und für seine Freunde. Das sei in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen. Das «Limon» hatte meist jeden Tag geöffnet, und Mahmut war fast immer da, von morgens bis abends. «Ich habe neun Tage pro Woche gearbeitet», sagt der 51-Jährige und lacht. Jetzt legt er erst einmal eine Pause ein. «22 Jahre in der Gastronomie sind genug.»

Das «Limon» ist in St. Gallen eine Institution. Im Jahr 2000 hat Mahmut es eröffnet. «Es war eine schwierige Strasse, damals», sagt er zur Lage im Linsebühl-Quartier. Einige Gäste hätten fast Angst gehabt, hier zu essen, am Rand des St. Galler Rotlichtviertels. Mahmut, in seiner typisch unbescheidenen Art, sieht sich deshalb als Pionier: «Nach mir hatten viele den Mut, hier ein Geschäft zu eröffnen.» Noch immer spazieren täglich viele Randständige und allerhand bunte Gestalten an seiner grossen Fensterfront vorbei. Doch fürchten müssen sich seine Gäste schon lange nicht mehr. Die Ecke Linsebühl-/Speicherstrasse im Stadtzentrum ist heute eine Kreuzung wie viele andere.

Die besten Falafel im ganzen Kanton

Das «Limon» hingegen ist noch immer einzigartig. Als es eröffnete, war es erst der dritte Kebab­laden auf Stadtgebiet. Heute gibt es laut Mahmut schon 65 davon. Dennoch sagt er: «Wir sind immer noch konkurrenzlos. Unsere Mezze-Teller sind weit herum bekannt, und unsere Falafel sind die besten im ganzen Kanton.» Soviel Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr: Tatsächlich gibt es im «Limon» nach Meinung vieler Liebhaber bis heute den besten Kebab der Stadt, und auch die anderen türkischen und griechischen Gerichte auf der Karte können sich sehen lassen. Das «Limon» ist anders als die anderen Kebabläden und hat viele Trends nicht mitgemacht – zum Glück, möchte man ergänzen. Bei Mahmut gibt es keinen 24-Stunden-Betrieb und keine Dönerbox, kein Neonlicht und keinen plärrenden Pop aus dem Fernseher, keine Teenagerhorden und keine Dumpingpreise. Stattdessen findet der Gast ein stimmiges Ambiente mit Holztheke, gedämpftem Licht und türkischer Musik. Hier verkehren auch nicht nur Schüler, sondern ein älteres, eher links-intellektuelles Publikum, wozu nicht zuletzt das regelmässige Inserieren im Kulturmagazin «Saiten» beigetragen hat. Das «Limon» ist übrigens auch der einzige Kebabladen, der es bis jetzt in die Tagblatt-Restaurant-Rubrik «Zu Tisch» geschafft hat. Ein Zeichen für Qualität. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt ebenfalls – «und man wird bei mir auch satt», sagt Mahmut.

Mehr Zeit für Koi-Fische und Tauben

Für die Gäste wird sich vorerst nichts ändern, wenn Aydin Özdemir Anfang Februar das «Limon» übernimmt. Den 23-Jährigen mit den breiten Schultern und dem milden Lächeln dürften die meisten Stammgäste schon kennen, denn er hilft im Lokal mit, seit er ein Teenager ist. «Ich kenne den Laden in- und auswendig», sagt er und lacht. Er freut sich darauf, sein eigener Chef zu sein, und er hat auch schon Ideen für einige neue Gerichte, die er auf die Karte setzen möchte.

Sein Vater Mahmut freut sich auf eine Auszeit. «Jetzt kann ich das Appenzellerland geniessen», sagt der Türke, der im ausserrhodischen Bühler wohnt. Jetzt hat er auch mehr Zeit für seine eher exotischen Haustiere: Koi-Fische und Tauben. Im Gespräch wirkt Mahmut gelassen, fast erleichtert, und zufrieden sagt er: «Ich habe meine Ziele hier erreicht.» Dann muss er los, nach Hause, um «die Tauben ein bisschen fliegen zu lassen». Mahmut, der Taubenzüchter? Wer weiss. Vielleicht werde er aber auch «etwas mit Immobilien» machen, sagt er. Auf jeden Fall etwas Neues. Aber zuerst wird Mahmut nun einmal den Kopf lüften und «reisen, schauen, auf neue Ideen kommen.»